MF_04103Go fast, turn left – unter diesem Motto trafen sich dieses Jahr bereits zwei Mal die Aktiven der Reno-Racing-Szene. An zwei Wochenenden wurden die Fast-Fertig-Modelle der ARF-Klasse sowie die Eigenbauten der Unlimited-Klasse dem niedersächsischen und dem nordbayrischen Luft raum übergeben. Insgesamt traten dabei in den ersten beiden Rennen in Bad Neustadt an der Saale und in Osnabrück 21 Piloten in der ARF-Klasse an.

Weniger als 10 Sekunden brauchen aktuelle Modelle der ARF-Klasse, um den 180 bis 200 Meter langen ovalen Kurs einmal zu umrunden. Die Modelle der Unlimited-Klasse schaffen die gleiche Distanz sogar zwei Sekunden schneller. Aufgrund der guten Organisation und der nicht zu hohen Teilnehmerzahl konnte jeder Teilnehmer in der Regel auch mit mehr als den zwingend erforderlichen Flügen rechnen. In Bad Neustadt konnten auf diese Weise sieben Vorläufe, ein Stechen und die anschließenden Finalläufe ausgeflogen werden. In Osnabrück verhinderte das Wetter leider mehr als die sechs erforderlichen Vorläufe.

MF_0410_bTechnik

Stand der Technik in der ARF-Klasse sind momentan die Sundowner von Hangar 9, die Alley Cat von Cermark und die Strega von Phoenix Models. Leider gibt es im Moment weder für die Alley Cat noch für die Strega einen Importeur in Deutschland, sodass diese Modelle eigeninitiativ importiert werden müssen. Da die Modelle aber in ihrer Flugleistung nahezu identisch sind, kann hier mit gutem Gewissen auf die Sundowner zurückgegriffen werden. Aus Gründen der einfachen Verfügbarkeit und aufgrund des guten Handlings wird die Sundowner auch von zirka der Hälfte der Piloten geflogen. Bei den eingesetzten Motoren ist die Bandbreite jedoch größer. Der Webra 50-P5 GT Aero Reno Race erfordert Fingerspitzengefühl bei der genauen Justierung, glänzt dafür aber mit einer enormen Leistung und einem geringen Gewicht. Der Yamada YS 50 ST beeindruckt hingegen mit seiner Laufruhe und dem unbändigen Durchhaltevermögen, das dem direkten Einsatz des Gehäusedrucks geschuldet ist. Erstmals weitere Verbreitung fand der Novarossi R50F, der sowohl in der ARF- als auch in der Unlimited-Klasse durchgängig auf den vorderen Plätzen zu finden war. Neben diesen drei Typen waren auch der Thunder Tiger REDLINE RL-53H, der OS MAX 50SX Hyper und der Rossi R53 AERO zu sehen. Bei den Schalldämpfern ist das Bild hingegen wieder sehr homogen, die meisten Piloten vertrauen hier auf SETup-muffl er von Bruno Stükerjürgen.

MF_0410_eUnbegrenztes Rennvergnügen bietet die Unlimited Klasse. In dieser Klasse darf, im Gegensatz zur ARF-Klasse, auch selber gepresst, laminiert, gesägt und gebügelt werden. In der aktuellen Saison bewegten lediglich sechs Piloten ihre bis zu 250 Kilometer in der Stunde schnellen Sportgeräte um die Pylone, jedoch ist hier ein Aufwärtstrend in der Teilnehmerzahl zu erkennen. Dieser ist vor allem dadurch zu begründen, dass die Verfügbarkeit der in Kleinserie gebauten Modelle langsam aber stetig steigt. So sind zwischenzeitlich eine Messerschmitt ME 209, eine modifizierte Reno-B-Mustang und eine GR-7 „Bummers Bullet“ im Renngeschehen zu sehen. Neues zeichnet sich auch bei der Schalldämpfung ab – eine neue Dämpferkombination, die ihre Anleihen aus der F3D-Klasse hat. Diese besteht aus einem ungedämpften Resonanzrohr mit einem Nachschalldämpfer. Die ersten Einsätze versprechen hier einen niedrigen Geräuschpegel, gepaart mit hoher Leistung. Einheitlichkeit herrscht bei den Modellen allenfalls bei den Kraftstofftanks und den Motoren. Da der Kraftstoff durch den Veranstalter gestellt wird, tanken alle Teilnehmer Sprit mit 5 Prozent Nitromethananteil und 15 Prozent Aerosynth-3. Bei den Luftschrauben gibt es lediglich zwei Modelle, die in die engere Wahl kommen – die 11 x 7 und die 10 x 9 von Advanced Precision Composites (APC) in der Blattform „Sport“. In der ARF-Klasse ist die 11 x 7 meistens erste Wahl, da sie die langsameren Modelle schneller aus der Wende heraus beschleunigt. In der Unlimited-Klasse fällt die Wahl ausschließlich auf die 10 x 9, da sie den Modellen zu ihrer höheren Grundgeschwindigkeit verhilft, die diese dann auch bauartbedingt besser durch die Wende bringen.

MF_0410_dFeinabstimmung

Fingerspitzengefühl bei der Abstimmung des eigenen Modells und eine gute Abstimmung mit dem eigenen Ansager sind die Eckpfeiler einer erfolgreichen Teilnahme an den Wettbewerben der Reno-Racing-Klasse. Auffällig ist, dass in der Regel nicht der Pilot den Wettbewerb gewinnt, der das beste, schnellste oder am besten optimierte Modell an die Startlinie bringt. Um ganz vorne dabei zu sein, sind ein zuverlässig laufender Motor, eine gute Absprache mit dem Helfer und eine Anpassung des Modells an den eigenen Flugstil das A und O. Und um eine weitere Plattitüde zu bemühen – Training zahlt sich aus: Da sich die Modelle in ihrer Spitzengeschwindigkeit nur marginal unterscheiden, ist ein gutes Zeitgefühl beim Start und das saubere Umkurven des Parcours deutlich wichtiger als ein Motor, der am Ende der Geraden zweihundert Umdrehungen mehr an die Luftschraube bringt.

Abseits des Renngeschehens befindet sich bei der Formel 1 die streng abgeschirmte Boxengasse – nicht so beim Reno Racing. Hier wird zwischen der Feineinstellung des Modells und der obligatorischen Mittagspausenbratwurst gefachsimpelt und allen Interessierten Frage und Antwort gestanden. Der Spaß am gemeinsamen Leistungsmessen und das gesellige Beisammensein, das für die meisten Piloten bereits am Freitagabend beginnt, führte dazu, dass der erste Wettbewerb mit einer Kofferraumladung Poloshirts begann – nicht nur der DMFV zeigt in Zukunft Flagge, auch die Aktiven der Reno-Racing-Szene tragen das Logo ihres Sports auf ihrem Rücken.

Stand der Dinge

Alles neu macht RC-Network. Der RC-Network Modellsport e.V. bietet Interessierten nicht nur ein eigenes Reno-Racing-Subforum, sondern sponsert bereits im zweiten Jahr einen Newcomer-Pokal. Dieser wird am Ende der laufenden Saison an den Piloten vergeben, der zum Saisonende zum ersten Mal an mindestens einem Wettbewerb teilgenommen und dabei die meisten Punkte in der ARF-Trophy gesammelt hat. Nach zwei von vier Rennen führt aktuell Marcus Benedict vor Stefan Bayer und Murat Onderoglu.

MF_0410_c1Abgerechnet wird jedoch bekanntermaßen am Ende der Saison. Die Reno-Trophy, die Wertung zur Deutschen Meisterschaft in beiden Reno-Racing-Klassen, wird beim letzten Saisonwettbewerb gebildet. In die Wertung gehen dabei die besten drei Ergebnisse der vier Wettbewerbe des aktuellen Kalenderjahres ein. Insofern kann der Zwischenstand nach zwei von vier Saisonrennen nur einen Anhaltspunkt dafür bieten, wer am Ende der Saison auf dem Treppchen stehen wird. Fest steht in jedem Fall, dass bis dahin noch zwei komplette Finalläufe auf die Piloten warten und damit weiterhin für packende Rennen gesorgt sein wird.

Quo vadis?

Unübersehbar ist der Trend zu modernen Konstruktionen insbesondere aus der Formel 1-Klasse. Während in den letzten Jahren noch viele Mustangs, Spitfires und ähnliche Konstruktionen aus den Tagen des Zweiten Weltkriegs auf den Reno-Racing-Wettbewerben zu finden waren, sind diese Baumuster inzwischen nur noch vereinzelt anzutreffen. In der ARF-Klasse dominieren die Formel 1-Modelle Alley Cat und Sundowner. In der Unlimited-Klasse sind die klassischen Baumuster noch in der Überzahl, jedoch hat die GR-7 bereits gezeigt, welches Potenzial in modernen Konstruktionen steckt.

Definitiv absehbar ist hingegen ein Schwund der Motorenvielfalt. Bei den Entwicklern von Modellflugmotoren ist ein Trend zu immer mehr Hubraum in gleicher Bauform zu beobachten. Dadurch sind bereits einige der bisher eingesetzten Motoren durch hubraumstärkere Nachfolger ersetzt worden. Motoren wie der OS MAX 50SX Hyper, der Yamada YS 50 ST und der Novarossi R50F werden in absehbarer Zeit nicht mehr verfügbar sein, da ihre Nachfolgeentwicklungen den maximal zugelassenen Hubraum von 8,73 Kubikzentimeter überschreiten.

Die nächsten beiden Rennen finden am 21. und 22. August 2010 in Euskirchen und am 11. und 12. September in Scherfede statt.

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